Biathlon-WM Östersund: Doping-Vorwürfe sorgen für Unverständnis

ÖstersundMan stelle sich die Szene im Teenager-Alter vor: Jemand hat „etwas" gehört, das ein anderer Unbekannter jemand Bekanntem geschrieben hätte. Man wäre über das „etwas" empört. Als Erwachsener jedoch sollte man reif genug sein, solch einer Informationsquelle nicht zu vertrauen.

Seit gestern berichten diverse Internetseiten und Zeitungen von einer Anklage gegen deutsche und österreichische Biathleten. Ein anonymer Absender hatte einer österreichischen Zeitung eine Liste geschickt, auf der verschiedene Sportler verzeichnet waren, die bei der in den letzten Wochen in Diskussion geratenen Wiener Blutbank Kunden gewesen seien. 

Diese Liste hat während der Weltmeisterschaft in Östersund zu großem Aufruhr geführt, denn Fakt ist: Die Liste wurde von einem Unbekannten verschickt. Dieser Unbekannte könnte ein früherer Sportler sein, der seinen Ex-Kollegen kritisch gegenüber steht, dieser Unbekannte könnte aber auch der Kellner von gestern Abend sein, dem man zu wenig Trinkgeld gegeben hatte. Die Athleten in Östersund sind sich nicht nur dieser Umstände, sondern auch der Auswirkungen bewusst, die solch unbegründete Anschuldigungen mit sich ziehen können.  

In den Zeitungsartikeln steht der Vermerk „Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung – gerade auch, weil die Anzeige an­onym und deshalb mit Vorsicht zu genießen ist." Die Frage ist: Warum wird diese Anzeige dennoch so publik gemacht?

Die Biathleten grämt dabei vor allem eins: Rufmord ist es allemal. Egal ob die Anklage später als wahr oder nach jetzigen Vermutungen als haltlos empfunden wird, ein Imageschaden ist fast nicht vom Biathlon-Sport abzuwenden. So war auch die Stimmung beim Frühstück gespalten: Am Abend zuvor kamen die ersten Gerüchte auf, in der Nacht machten sie die Runde. Die einen entschieden sich, es mit Humor zu nehmen, "schließlich komme so etwas immer wieder zu Großereignissen auf", anderen hingegen steht die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben.

Im Endeffekt muss vor allem der Fan entscheiden, wem er vertraut: Glaubt er dem enttäuschten Kellner, dem griesgrämigen Ex-Athlet, dem Herrn Unbekannt – oder glaubt er dem Biathlet, der ungeachtet eines möglichen Dopings noch zehn bis zwanzig sichere Schüsse abgegeben muss, um sich seinen Weg zu einer Medaille zu ebnen?

Diese Entscheidung bleibt dem Fan vorbehalten…

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