Gerald Hoenig mit Simone Hauswald und Martina Beck

Gerald Hönig im Interview: "Harter Kampf bei den Frauen"

Gerald Hoenig mit Simone Hauswald und Martina Beck Eigentlich wollte er noch den Team-Bus ausräumen, doch als Oberhofer Stützpunkt-Trainer durfte Gerald Hönig natürlich am Montag bei der offiziellen Eröffnung der DKB-Skisporthalle nicht fehlen. Nach kurzem Gespräch mit uns ging es aber danach wieder schnurstracks zum Um- und Ausräumen, schließlich ist er erst tags zuvor aus dem Trainingslager der Damen in Obertilliach zurückgekehrt. 

Wie die Damen-Mannschaft die Skihalle nutzen wird und wie der derzeitige Leistungsstand im Team aussieht, darüber gab er uns im Interview Auskunft.

Gerald, heute wurde die DKB-Skisporthalle in Oberhof offiziell eröffnet. Wie werdet ihr die Anlage in Zukunft nutzen?
Uns wird die Skihalle vor allem für das Skigefühl wichtig sein. Die konditionelle Ausbildung wie zum Beispiel Kraftausdauer-Einheiten werden hier nicht den Schwerpunkt bilden. Aber es ist natürlich bei widrigen Wetterbedingungen ein Vorteil, wenn man auf die Skihalle ausweichen kann. Für die Skitechniker ist es zudem eine Möglichkeit, Ski und Ausrüstung zu testen.

Inwiefern kann man die Ausrüstung denn testen? Es herrschen doch hier eindeutig andere Bedingungen, als dann auf den Strecken im Weltcup.
Das stimmt schon, aber eine Grundauswahl können sie trotzdem treffen. Für die Athleten gilt das gleiche. Wenn sie neue Schuhe oder Ski haben, kann man so zumindest schon mal prüfen, ob man damit problemlos fahren kann. Und man muss natürlich auch beachten, dass immer mehr Weltcuporte auch mal mit Kunstschnee arbeiten müssen. Somit ist es nicht ganz abwegig, auf dem Hallen-Schnee zu testen.

Ihr verlagert dieses Jahr Euer Schneetraining hierher und fahrt nicht in die Ramsau. Warum das?
Das haben wir nach Absprache mit den Sportlerinnen so entschieden. Natürlich ist es keine leichte Entscheidung gewesen, im Olympiajahr eine andere Vorbereitung zu machen, aber es gibt verschiedene plausible Gründe für diesen Weg. Einerseits haben einige Athletinnen wie zum Beispiel Kati Wilhelm Anpassungsprobleme in der Höhe und da geht wertvolle Zeit verloren, bis man wirklich richtig intensiv trainieren kann. Andererseits sind die Möglichkeiten des ergänzenden Trainings in Oberhof besser.

Martina Beck und Gerald Hönig Um welches ergänzendes Training geht es dabei?
Um die Möglichkeiten, die wir in Oberhof mit zwei Rollerstrecken oder der Schießhalle haben. In Ramsau gibt es nur einen kleinen Schießstand und wenn sich dann im Oktober die halbe Biathlon-Welt dort tummelt, bekommt man für die Mannschaft womöglich nur für zwei Stunden drei Schießstände. Diesen Trubel umgehen wir, wenn wir hier trainieren.

Besteht denn nicht die Möglichkeit, dass es auch hier voll wird?
Das könnte schon sein, dass andere Nationen auch hier trainieren wollen. Aber bisher sind mir keine großen Anmeldungen für den Oktober bekannt. Und sollten es doch einmal mehr werden, dann hoffe ich natürlich auf einen Heimvorteil bei der Trainingsplanung in der Halle. Wir wurden informiert, dass eigentlich um die 50 Athleten in der Halle trainieren könnten, aber so recht kann ich mir das noch nicht vorstellen. Wie genau das zwischen den einzelnen Teams – auch am Stützpunkt – abgestimmt wird, wird die Zukunft zeigen.

Bleiben wir vorerst in der Gegenwart. Ihr habt gerade das Trainingslager in Obertilliach hinter Euch gebracht. Wie schätzt Du Dein Team derzeit ein?
Die Mädels konnten allesamt gut trainieren und das hat man auch in den Testwettkämpfen gesehen. Da gab es keine außergewöhnlichen Überraschungen. Martina Beck hat trotz ihrer Fußverletzung bewiesen, dass sie sehr gut den Sommer über gearbeitet hat und eine super Rollerleistung gezeigt. Kati Wilhelm, Andrea Henkel und Simone Hauswald haben das gezeigt, was wir von ihnen erwartet haben und auch der Anschlussbereich hat sich wirklich stark präsentiert: Miriam Gössner hat sich gewohnt stark auf den Rollern präsentiert, nur im Schießen hapert es noch. Juliane Döll ist am Ende etwas das Benzin ausgegangen, allerdings ist Jule auch die einzige im Kader, die nach der Saison noch eine Ausbildung machen musste und das geht natürlich nicht spurlos an ihr vorbei. Tina Bachmann hat mit ihrer Sprint-Leistung sehr gehadert, hat sich uns aber im Training und auch im Verfolger wirklich gut präsentiert.

Kathrin Hitzer hingegen hat an den Testwettkämpfen nicht teilgenommen. Warum nicht?
Kathrin haben wir nach anderthalb Wochen heimgeschickt, weil sie arge Schlafprobleme hatte. Warum das so gekommen ist, wissen wir nicht, aber am Ende war sie so erschöpft, dass wir ihr gesagt haben, sie soll in Ruhpolding daheim weitertrainieren und dann zum Testwettkampf wiederkommen. Dann ging es ihr doch nicht so gut, also hat sie den Wettkampf dann doch auslassen müssen. Aber wir alle wissen, was sie kann und glauben an sie. Kathrin ist eine der schnellsten auf den Rollern, aber ihr darf nicht mehr so viel dazwischen kommen, damit sie wieder das Niveau erreicht, was wir ja von ihr kennen. Sie hat bewiesen, dass sie eine Siegläuferin ist, aber natürlich steht und fällt derzeit alles mit der Gesundheit.

Gerald HoenigWenn also alles glatt läuft, steht ihr wieder vor dem Luxusproblem, wen ihr zum letzten Lehrgang nach Muonio mitnehmt, oder?
Das stimmt. Es gibt wirklich viele starke Kandidatinnen auf die zwei restlichen Plätze neben den fünf gesetzten. Auch Sabrina Buchholz würde ich noch nicht abschreiben. Sie ist in einer ähnlichen Situation wie schon vor zwei Jahren und muss zur Deutschen Meisterschaft Leistungen im Spitzenbereich zeigen, sonst müsste sie von der Bundespolizei aus ihre Karriere beenden, da sie in keinem Kader ist. Aber ich sehe sie nahezu täglich im Training und weiß wie stark sie derzeit vor allem im Laufbereich ist. Das wird ein harter Kampf.

 Zur WM in Oberhof wollt ihr nicht nur auf Skirollern antreten, sondern auch im Cross. Wer wird da von Deinem Team starten?
Ursprünglich waren Lisa Voigt und Jule Döll angedacht. Aber Lisa war in der Vorbereitung krank und musste noch ihre Grundausbildung absolvieren, daher haben wir diesen Plan verworfen. Nun wird nur Jule antreten, aber für sie rechne ich mir hohe Chancen aus, da jeder weiß, wie schnell sie läuft.

Haben die Sommerbiathleten einfach so einen Startplatz an sie abgetreten?
Das auf keinen Fall, nein. Wir mussten Ende Mai sogar nach Clausthal-Zellerfeld fahren, um in einem Wettkampf zu beweisen, dass Jule gut genug für das Team ist. Ich kann den Trainer da natürlich verstehen, denn die Sommerbiathleten trainieren das ganze Jahr auf diesen Wettkampf hin und nun kommt plötzlich eine aus dem Winter und will ihnen den Startplatz wegschnappen. Allerdings hat sie dann in Clausthal mit 1:48min Vorsprung gewonnen und somit war für den Trainer die Sache klar.

Noch ein letztes Wort zum Weltcup in Antholz. 2002 war wegen Olympia in Salt Lake City nur die deutsche B-Mannschaft vor Ort, diesen Winter sind die Olympischen Spiele wieder in Übersee. Werdet ihr dennoch in Antholz an den Start gehen?
Ich habe zwar gelesen, dass Wolfgang Pichler schon seine Schweden abgemeldet hat, aber unser Team plant mit Antholz, ja. Damals vor Salt Lake war es eine Frage der Höhe. Whistler ist nicht so hoch gelegen wie das Biathlon-Stadion damals, daher brauchte das Team eine längere Anpassungsphase. Aber das ist diesen Winter kein Problem. Der Plan sieht so aus, dass wir nach Antholz nochmal ein paar Tage zum Luftholen nach Hause fahren und dann nach Kanada aufbrechen.
 

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