Michael Rösch-Interview, Teil2: "Ich plapper oft zu schnell los"

Michael RöschIn Teil 1 unseres Interviews mit Michael Rösch ging es um seinen Urlaub, die letzte Saison und die kleinen Details, die er in Bezug auf die nächste Biathlon-Saison verändern will. Was die Zusammenarbeit mit seiner Oberhofer Trainingsgruppe so besonders macht, lest ihr nun in Teil 2 des Interviews. Außerdem geht es um Audis, Doping, den Hausbau, den Umgang mit den Medien und vieles, vieles mehr.

Micha, Platz 16 im Gesamtweltcup war ein Platz hinter Deinem vor dem Saisonfinale anvisierten Ziel. Warum gerade Platz 15?
Weil ich nicht Taxi fahren wollte zu den Weltcups der kommenden Saison (lacht). Mann, das ärgert mich immer noch, dieser Fall in Khanty-Mansiysk. Ich hätte wirklich noch auf Platz 15 laufen können, aber es sollte nicht sein. Viele Fans wissen das nicht, aber ist man unter den Top15 des Weltcups, bekommen wir Sportler vom Deutschen Skiverband einen Audi als Leasing-Fahrzeug. Und nun muss ich den wohl irgendwann abgeben, auch wenn ich noch hoffe, dass es sowas wie eine Wildcard gibt. (lacht) Das war schon ein feines Auto…

Vorerst hast Du allerdings noch ein Auto, also musst Du Dir darum keine Sorgen machen. Vor allem, weil sich wieder die Frage stellt: Wirst Du diese Saison wieder vermehrt in Oberhof trainieren?
Als „vermehrt" würde ich es nicht ausdrücken. Wir haben jetzt mal einen groben Plan gemacht, wie die Vorbereitung aussehen wird und sind schon aufgrund der vielen Lehrgänge enorm viel unterwegs. Und klar werde ich viel in Oberhof trainieren, aber genauso in Altenberg. Das ist mir einfach wichtig, auch daheim zu trainieren.

Wobei Du dort nicht unbedingt jemanden hast, an dem Du Dich messen kannst…
Ja, aber das haben viele nicht. Schau Dir den Ole an, der trainiert auch meist allein. Mittlerweile weiß ich ja auch, was ich machen kann und muss und wie ich mir das alles einteile. Wobei ich natürlich in so einem System  – mit Trainingsgruppe – groß geworden bin. Daher auch der Schritt nach Oberhof, um eben in einer Gruppe zu trainieren. Wobei das leicht mal falsch verstanden wird, vor allem bei den Medien.

Michael Rösch Inwiefern falsch verstanden?
Ich hatte neulich erst mit einem Journalisten gesprochen und ihm gesagt, dass ich öfters mal in Oberhof trainieren würde. Und der haut natürlich sofort die Schlagzeile raus: „Wechsel perfekt – Rösch geht nach Oberhof!" Bei sowas könnt ich verrückt werden.

Du scheinst aber ansonsten ein Liebling der Medien zu sein.
(lacht) Das kommt sicher nur daher, dass ich oft zu schnell losplapper. Ich hab auch schon gemerkt, dass ich manchmal vorher bissel überlegen sollte, eh ich was sage, aber es entspricht halt meist den Fakten. Ich will nicht groß um Dinge herumreden. Aber manchmal sehe ich das dann vielleicht doch zu locker und hau ein paar Zoten raus, die nicht sein müssten.

Locker entspricht insgesamt Deinem Stil – aber auch dem Deiner Trainingsgruppe, wenn man Euch so zusammen sieht.
Oje, da musst Du eigentlich nur mal Mark Kirchner fragen. Der ‚Schmale‘ hat uns da öfters schon mal auf den Deckel gehauen und das war auch richtig so. Die eine Seite ist sicher, dass es manchmal schon zu lustig ist und vielleicht auch ausartet. Aber andererseits muss der Spaß auch vorhanden sein. Wenn es bei uns mal einem schlecht geht, wirst Du automatisch von der Gruppe mitgezogen und wieder aufgepäppelt. Da gibt es immer was zu tun, ob das nun sportlich ist oder privat.

Wenn wir beim Stichwort ‚privat‘ sind – da gibt es ja nun mit dem fertigen Haus daheim doch einen Grund mehr, öfters in Altenberg zu trainieren.
Das stimmt, jetzt haben wir das endlich mal fertig. Ich denke, das hat auch die letzte Saison etwas beeinflusst, denn ich hab mir das sicher etwas zu einfach vorgestellt mit dem ganzen Hausbau. Eigentlich täglich musste jemand vor Ort sein und auch wenn ich körperlich nichts gemacht habe, war ich doch in Gedanken immer beim Bau. ‚Wann ist es fertig, was muss noch gemacht werden, welche Türen passen…?‘  – Das geisterte ständig im Kopf rum. Aber dieses Jahr kann ich mich mal ganz auf das konzentrieren, was ich machen muss.

Michael RöschDeine Freundin Jule hatte in Deiner Abwesenheit das Haus schon bewohnbar gemacht. In der Saison davor ist sie allerdings noch als Eure Physiotherapeutin mitgereist. Warum dieses Jahr nicht mehr?
Am Anfang war es echt toll, sie mitzuhaben und es gibt ja genug Paare im Biathlon, die dieses Miteinander-Herumreisen ganz gut können. Ich fand‘s allerdings irgendwann nicht mehr gut, denn ich hab mich immer verpflichtet gefühlt, bei ihr zu sein, auch wenn sie das recht locker gesehen hat. Nur ich konnte Beruf und Privates nicht mehr trennen und früher oder später wollt ich das einfach nicht mehr. Nun freut man sich vielmehr auf daheim und kann ansonsten wirklich seinem Job als Biathlet nachgehen. Von daher war das für mich eigentlich genau richtig, wie es diesen Winter war. Wobei es auch dieses Jahr wieder zu viel gab, was mich abgelenkt hat.
 
Womit wir mit Sicherheit jetzt auf die WM und das russische Doping zu sprechen kommen…
Genau! Da kam wieder mal in einer großen Geschichte alles zusammen: Ich komme in Pyeongchang zum Essen, erfahre von den Namen und kurze Zeit später hält man mir eine Kamera vor die Nase und ich bring stocksauer und betroffen so etwas raus wie: ‚Endlich haben sie die Schweine‘.&
nbsp; Und das steht dann natürlich in allen Zeitungen.

…und dann kamen die Drohungen von den Russen, wie Du uns bei der WM gesagt hast.
Stimmt. Damals hab ich gesagt, dass mich das abgelenkt hat, aber das muss ich nochmal erklären: Ich bin eben so einer, der immer über alles Bescheid wissen will. Ich schau mir dann auch alle Artikel an, die ich im Internet dazu finden kann und natürlich lädt mich das emotional auf und lenkt mich ab. Und dann äußere ich mich so, wie ich denke und plötzlich ist das ganze Gästebuch voll mit Russen, die mich niedermachen. Natürlich musste ich das auch wieder alles lesen, also kein Wunder, dass mein Kopf nicht frei war. Da muss ich echt noch an mir arbeiten. Ich darf mir das alles nicht so zu Herzen nehmen!

Aber es ist doch gut, wenn ein Sportler so eine Doping-Geschichte nicht einfach zu ignorieren versucht.
Das stimmt schon, denn es hat unserem Sport wirklich geschadet. Aber ich darf mich nicht mehr so viel damit befassen. Ich weiß, dass ich nur für mich selbst die Hand ins Feuer legen kann und für niemanden sonst. Und das muss mir bewusst sein. Sonst kommt da wieder einer daher, macht den Sport kaputt und ich mach gleichzeitig meine Karriere kaputt, weil ich zu viel drüber nachdenke! Das soll diese Saison anders werden. Einfach mal wirklich die Scheuklappen auf und sich auf das konzentrieren, was wichtig ist!

Na, das ist doch ein gutes Schlusswort. Danke für das Gespräch, Micha!

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