Protest nach der Herren-Verfolgung

Biathlon-WM Korea: "Wir würden da auch gern einen Protest loswerden…"

ProtestIrgendwann – vielleicht tatsächlich erst in zwei Wochen – kann man über das Ganze nur noch lachen. Es ist Biathlon-Weltmeisterschaft und die Athleten sind seit mehr als zwei Stunden im Ziel, ein endgültiger Sieger allerdings steht nicht fest. IBU-Vize-Präsident Alexander Tichonov hatte Protest gegen das vorläufige Ergebnis eingelegt, schließlich seien etliche Athleten die falsche Strecke gelaufen. Welch ein Glück, dass damit Maxim Tchoudov die Verfolgung der Herren gewinnen würde. So schien es auch vorerst, als Norbert Baier verkündete: "Wir haben das kleinste Übel gewählt und statt einer Disqualifikation allen eine einminütige Zeitstrafe aufgebrummt…irgendwie mussten wir ja reagieren!"

Überglücklich schritt nun Tchoudov Richtung Siegerehrung, dahinter trottete ein stocksaurer Ole Einar Bjoerndalen. Doch Kommando zurück: Acht Nationen hatten Protest eingelegt. Der US-Biathlon-Direktor Max Cobb versucht ein Lächeln: "Ich wette mal, die Russen sind jetzt sauer auf mich. Ich habe den Protest geschrieben und die Norweger, Deutschland, Ukraine, Slowenien, Polen, Frankreich und Österreich haben mit unterschrieben. Aber das kann auch einfach nicht sein!" Fakt ist, dass die Zeitstrafe bzw. eine Disqualifikation nur gültig wäre, wenn dadurch eine Zeitgutmachung zustande kam. Das müsste man allerdings erst im Detail nachmessen.

"Das Hauptproblem hier ist einfach, dass zwar abgegrenzt war, aber nicht genug bzw. eindeutig. Und wenn ein Ole Einar Bjoerndalen dann falsch läuft, ist doch klar, dass ihm alle hinterherlaufen!", erklärte Frank Ullrich. Michael Rösch, der beste Deutsche (sofern nicht mit Strafminute versehen) sah es gewohnt locker: "Naja, wenn's kommt, dann kommt's halt knüppeldick. Und dabei hab ich extra vorher noch gefragt, wo es langgeht! Aber wenn die dann doch alle vor Dir über die Brücke machen, ist klar, dass man da hinterherfährt."

Nachdem es im Stadiongebäude über zwei Stunden hin und her ging, verloren auch die Letzten die Nerven. Auf der Tribüne beschimpften sich bereits Norweger und Russen, drin vorm Wettkampfbüro nahm man es mit Humor – was anderes blieb auch bald nicht mehr übrig: "Ich finde, ich sollte gegen die Bandenwerbung Einspruch erheben!", ertönte es aus der einen Richtung. "Die Ski waren nicht ordnungsgemäß!", rief man aus der nächsten Ecke. Im Endeffekt soll nun eine Berufungskomission die Entscheidung möglichst bald fällen, doch dass sämtliche Athleten derzeit frustriert sind, dürfte man auch damit nicht mehr rückgängig machen können. Fakt ist auch: Vorfälle wie dieser werden den Sport über kurz oder lang kaputt machen.

Special Biathlon-WM 2009 in Pyeongchang

Pyeongchang

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