Ricco Groß: "Es gibt noch einiges zu tun!"

Ricco GroßRicco Groß ist vieles: Viermaliger Gold-Gewinner bei Olympischen Spielen, neunmaliger Gold-Gewinner bei Biathlon-Weltmeisterschaften, ehemaliger Biathlet, Familienvater, Student, TV-Experte und Vize-Präsident des OK in Ruhpolding. In seiner letztgenannten Funktion konnte er vor ein paar Wochen in Prag einen weiteren großen Erfolg feiern: Die Vergabe der Biathlon-WM 2012 an das bayerische Ruhpolding. Wie er diesen Tag erlebt hat, was jetzt alles auf ihn und das Organisations-Komitee zukommt und wie die Ruhpoldinger Zukunft aussieht, verriet er uns in einem Interview.

Ricco, als Sportler konntest Du großer Erfolge feiern, nun hattest Du als WM-Botschafter Teil an der erfolgreichen Bewerbung von Ruhpolding für die WM 2012. Wie hast Du das erlebt?
Natürlich war es ein grandioses Erlebnis. Wichtig war aber zu Beginn erst einmal, dass wir die WM überhaupt zu uns holen. Im Rahmen meiner Funktion als Vize-Präsident des OKs Ruhpolding war ich in diesem Vorhaben mit eingebunden und hab mich dementsprechend angestrengt, dass wir die Weltmeisterschaften 2012 bekommen.

Ricco GroßIm Bewerbungsfilm spielst Du quasi die Hauptrolle. Konntest Du da Ideen mit einfließen lassen bzw. wie hast Du den Film empfunden? (>>Film)
Der Film war eine vorgegebene Idee. Im Prinzip war es auch eine schöne Idee, aber das so ein Film immer polarisiert, war mir natürlich klar. Die Resonanz war aber zum Großteil positiv und im Vergleich zu den anderen Bewerbungsfilmen fand ich unseren schon gut gelungen.

Jeder bringt andere Aspekte in die Planung mit ein, Du siehst es aus der Sicht eines ehemaligen Sportlers. Was gibt es Deiner Meinung nach in Ruhpolding noch zu tun?
Noch einiges. Ich versuche natürlich, meine Erfahrung da mit einzubringen, denn ich habe viele Stadien auf der ganzen Welt und damit viel Positives, aber auch viel Negatives gesehen. Somit versucht man natürlich schon, die guten Sachen hier mit einfließen zu lassen. Wenn uns das gelingen sollte, dann wäre das super. Am Ende wäre es wirklich schön, wenn wir sagen können, dass wir das modernste Biathlon-Stadion der Welt haben.

Aber das dürfte doch kein Problem sein?
Nein, eigentlich nicht. Denn im Endeffekt hat immer der das modernste Stadion, der zuletzt gebaut hat. Aber wir haben ja dennoch gewisse Ansprüche. 1996 hatten wir zur WM auch das modernste Stadion der Welt. Aber im Zuge der Umbauarbeiten in Oberhof, Antholz oder Oslo sind wir natürlich hinten dran geblieben. Alle haben sich weiterentwickelt und wir sind leider stehen geblieben.

Wie geht Ihr jetzt an den Umbau heran?
Also, mir ist wichtig, dass wir nicht zu viel wollen, zu viel machen. Der ökologische Aspekt muss beachtet werden, denn wir brauchen keine Riesenhalle, die den Gigantismus bedient. Wichtig ist, dass wir das Flair von Ruhpolding erhalten und das einzigartige hier ist, dass der Zuschauer so nah am Schießstand ist wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Ist das denn noch möglich, wenn das Stadion umgebaut werden soll?
Ich denke schon. Der Schießstand ist derzeit auch das Einzige, was nicht umgebaut werden muss, denn der ist auf einem erstklassigen Niveau. Von daher geht es nur um das Drumherum: Start- und Zielbereich, Strafrunde oder das was dem Sportler wichtig ist: Kurze Wege, Wachs-Teststrecken, Einlaufrunden, usw.

Ricco Groß Oslo muss aufgrund der Umbauarbeiten auf einen Weltcup verzichten, könnte Euch das auch passieren?
Ich denke mal nicht, dass wir auf einen Weltcup verzichten müssen, wenn man die Baumaßnahmen ordentlich durchplant. Wichtig ist natürlich, dass man den Trainingsbetrieb sichern kann. Es wäre fatal, wenn man genau den Ast absägt, auf dem man sitzt. Hier trainieren viele Kadersportler und somit muss das Training auch außerhalb der Saison gesichert sein. Das ist für uns absolute Grundvoraussetzung.

Detailliert werdet Ihr aber wohl noch keine Idee haben, wie alles umgesetzt wird?
Nein, das stimmt. Wir müssen natürlich auch sagen, dass wir einfach froh sind, dass wir die WM haben und jetzt gibt es erstmal eine Findungsphase, in der sich jeder so seine Gedanken macht, was man besser machen könnte. Irgendwann werden wir uns dann zusammensetzen, die Ideen auswerten und mit der Planung anfangen.

War die Erleichterung nach der Wahl eigentlich groß oder hat man irgendwann gedacht: "Jetzt packen wir es!"
Diese Sicherheit hatte ich wirklich erst dann, als sie es gesagt haben. Vorher hatte man keine Möglichkeit, auf dem Kongress die Stimmung einzuschätzen. Das war auch für mich eine ganz neue Erfahrung.

Inwiefern?
Naja, ich habe mich nicht anders gefühlt, als vor einem großen Wettkampf. Wir hatten uns gut vorbereitet und auch in ein Rennen bin ich nie unvorbereitet gegangen. Genauso, wie man das als Sportler erlebt hat, war es nun als Botschafter. Ich habe das Ganze wirklich als sportlichen Wettkampf gesehen. Im Endeffekt kann man mittlerweile einschätzen: Es war ein grandioser Sieg.

Wirst Du nun eigentlich bis 2012 im Ruhpoldinger Organisations-Komitee tätig sein?
Das ist eine gute Frage, denn bisher ist das alles Zukunftsmusik. Ich muss ja auch noch schauen, wie es bei mir weitergeht. 2010 bin ich voraussichtlich mit meinem Trainerstudium fertig und dann bin ich auch ein Stück weit darauf angewiesen, wo mich der Deutsche Skiverband einsetzt. Aber es wäre mir schon eine Herzensangelegenheit, hier das Stadion mitzugestalten.

TV-Experten: Ricco Groß und Uschi Disl Deine Zeit ist bereits jetzt schon gut gefüllt, oder? Vor allem im Winter hast Du ja gleich drei Jobs?
(lacht) Das kann man so sagen, ja. Pro Monat bin ich eine Woche in Köln zum Studium, der Rest der Zeit ist gut mit Aufgaben gefüllt, die man von hier aus erledigen kann. Hinzu kommt neben dem Job im OK Ruhpolding noch die Arbeit beim TV. Aber es ist ja auch eine tolle Gelegenheit, noch dabei zu bleiben…und man sieht ja: Zeittechnisch funktioniert es!

Manchmal anscheinend aber nur knapp, wie man im letzten Sommer gesehen hat?
Stimmt, da gab es ein Beispiel, da bin ich beim Red Bull Dolomitenmann im österreichischen Lienz gestartet, war aber bis kurz vor dem Event noch in Köln zu Trainerschule. Da hieß es dann, nach Hause düsen, Familie aus- und Sportklamotten einladen und weiter nach Lienz fahren. Dort bin ich völlig kaputt am späten Nachmittag vor dem Start angekommen und wollt nur noch schlafen. Im Endeffekt hat mich dann aber früh um sieben ein Journalist angerufen, der wissen wollte, ob ich denn da bin. So viel zum erholsamen Schlaf…

Dann hoffen wir mal, dass das mit der Koordination bald besser klappt. Danke für das Gespräch.

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