Andrej Prokunin

Das Entstehen einer Autogrammkarte

Andrej ProkuninAutogrammkarten sind das A und O für einige Biathlon-Fans, verziert mit einer Unterschrift des Lieblings-Athleten werden sie schnell zu einer begehrten Trophäe. Die deutschen Sportler haben stets welche parat, von den Sponsoren werden verschiedene professionelle Varianten zur Verfügung gestellt. Probleme beim Nachschub gibt es für die Elite selten.

Nun gibt es aber auch Athleten, denen bisher nicht einmal im Traum eingefallen wäre, dass jemand an einer Autogrammkarte interessiert sein könnte. Ein gutes Beispiel dafür ist Andrej Prokunin. Bisher konnte der Weltcupstarter und russische Meister zwar mit kleinen Erfolgen auf sich aufmerksam machen, doch an Autogramme oder ähnliches verschwendete er bisher keinen Gedanken.

Das änderte sich in Obertilliach: Nachdem er zu mehreren Tests bei der Firma Schein eingeladen war, die ihm neue Schuheinlagen herstellen wollte, kam ihm eine Idee: „Könnt ihr nicht für mich Autogrammkarten machen? Richtig professionell, mit Eurem Logo drauf und Bildern von mir!"

Einweisung: Prokunin und Norbert Christ Hört sich einfach an, ist es aber gar nicht. Vor allem bei der russischen Mentalität… „Wir treffen uns morgen 9:30 Uhr!" tönte es am Montag Nachmittag, 9:35 Uhr am Dienstag kam die SMS: „Ich habe Massage um 10 Uhr, holt mich danach im Ort ab." Da der Kunde bekanntlich König ist, fährt der persönliche Chauffeur in den Ort, um 10:30 Uhr erst steht der Sportler schließlich für ein Fotoshooting zur Verfügung.

Nun heißt es: Platz, Sonne und einen guten Hintergrund finden, andere trainierende Biathleten aus dem Bild verbannen, posen, lächeln … und das ganze wieder und wieder von vorn. Stolz wie Oskar werden die ersten Fotos noch erduldet, schließlich geht es um die erste eigene Autogrammkarte. Beim dritten Mal den Berg hinauf ist das Grinsen schon von den Lippen gewichen, aber was tut man nicht alles für die beste Einstellung?

Prokunin und Norbert Christ Nachdem die Fotos gemacht sind, geht es ans Sammeln von Informationen. Name, Geburtsdatum, Club, Erfolge, usw. – alles mögliche soll auf die Karte mit drauf. Geduldig notiert sich Norbert Christ von Schein alles und fragt: „Wie viele Karten sollen wir denn drucken? Vielleicht gleich welche auf russisch und welche auf deutsch?" Prokunin nickt und nickt, er muss überlegen… „Fünf?" tönt es im Raum, doch Prokunin überlegt weiter: „Tausend?"

Es wird diskutiert und diskutiert, irgendwann ist eine Lösung gefunden. Nun geht es also nur noch um das Design: Wohin mit Bildern, Informationen, Sponsoren und, und, und? "Eigentlich ist das eine Wald- und Wiesen-Autogrammkarte, wenn man es mit der Konzeption für andere Sportler vergleicht" sagt Norbert Christ. „Aber wir freuen uns dennoch, dass wir das für ihn machen können."

Prokunin sieht man die Freude an – so eine eigene Karte scheint schon etwas ganz besonderes. Nun muss er also nur noch seine Unterschrift üben…

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