Valerij Polhovsky

Polhovski: ?An diese Drohungen haben wir uns schon gewöhnt?

Valerij Polhovski„An diese Drohungen haben wir uns schon gewöhnt”, so die traurige Aussage des Biathlon-Cheftrainers Valerij Polhovski gegenüber den Vorfällen um die Abreise ins Trainingslager nach Antholz. „Morgen wird Tichonov sagen, dass es ein Missverständnis war, dass er falsch verstanden worden war und Alexander Selifonov nie einen solchen Auftrag gegeben hat.“  Der Trainer spielt damit auf den Tag an, als Tichonov-Kritiker Sergej Rozhkov vor dem Weltcup in Lahti kein Ticket ausgehändigt bekommen hatte. Die Erklärung im Nachhinein: „Wir haben vergessen, ihn in die Liste einzutragen.“

Ekaterina IourievaLaut den Berichten einer vor Ort anwesenden russischen Journalistin von www.skisport.ru war am Tag des Abfluges nur noch Chaos. Selbst die sonst stets lachende Ekaterina Iourieva sah man mit Tränen, Trainer Selifonov dagegen ließ seiner Wut lautstark freien Lauf, weil keine der Damen den Vertrag unterzeichnen wollte.

Streitpunkt ist eine Klausel, die die Nicht-Erfüllung von Zahlungen seitens eines Sponsors behandelt. Sollte der Sponsor nicht zahlen, so wird der Vertrag automatisch als annulliert angesehen. Für die Damen ist dies jedoch eine strittige Klausel. Welchen Sinn macht es, eine solche Möglichkeit offen zu lassen? Wenn ein Sponsor trotz Vertrag nicht zahlt, sollten die Sportler das Recht haben, ihr Geld gerichtlich einzufordern, so die Meinung der Mannschaft.

Natalia Guseva Am Flughafen sei es dann immer wieder zu Ausbrüchen des Schießtrainers Selifonov gekommen, der die Anweisungen von Tichonov durchsetzen wollte. „An eine solche Behandlung haben wir uns seit langem gewöhnt“, so eine traurige Natalia Guseva gegenüber der Journalistin. Polhovski hingegen blieb seinem Ruf als Gegner des Verbands-Präsidenten treu.

Guseva fragte den Trainer auch, warum man den Vertrag nicht in aller Ruhe in Antholz lesen könne. Doch bald wurde klar, warum die Athletinnen den Vertrag auf dem Flughafen unterzeichnen sollten: Zwischen etlichen Zugfahrten und dem nächsten langen Flug nach Wien bot es sich scheinbar an, die übermüdeten Athletinnen gleich auf dem Flughafen um eine Unterschrift zu „bitten“. Polhovski schien erschüttert: „Ich dachte immer, die Medien tragen viel zu dick auf. Aber heute habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie stark dieser psychologische Druck die Mädchen runterzieht“.

Die meisten Damen sind ohne eine Unterschrift abgereist, am 9. August jedoch könnte dieser Streit eine Neuauflage erfahren. Dann begibt sich die Herrenmannschaft auf ihr Trainingslager…

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