Erik Lesser

(Sobi-WM 2009): Erik Lesser

Erik Lesser 2009 war bisher ein überaus erfolgreiches Jahr für den Thüringer Erik Lesser. Mit zwei Medaillen war er von den Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften in Canmore zurückgekehrt – eine davon vergoldete er mit der Staffel. Seit dem vergangenen Wochenende darf er sich nun sogar Doppel-Weltmeister im Sommerbiathlon nennen. Der 21-jährige, der seit drei Jahren für den SV Eintracht Frankenhain startet, präsentierte sich im Rahmen der Weltmeisterschaft auf seiner Heimstrecke in Oberhof in Topform und hielt die Konkurrenz in Schach. Wie er die Wettkämpfe im Nachhinein sieht und welche Aussagen das für den Winter ermöglicht, verriet er uns im Interview.


Erik, war das etwas Besonderes, daheim bei einer WM starten zu können?

Auf jeden Fall. Es war einfach ein schönes Gefühl, in Oberhof zu laufen. Für mich ist das meine Heimstrecke bzw. Trainingsstrecke und da war das schon etwas ganz besonderes. Vor allem aber hat mich überrascht, wieviele Menschen auch im Sommer zu solchen Wettkämpfen kommen und wie ich angefeuert wurde. Bei mir waren natürlich auch meine Freundin und die ganze Familie da und haben mich unterstützt. Das war schon eine zusätzliche Motivation und hat mich extra angespornt.

Wie ist es dazu gekommen, dass Du als einziger Junior gestartet bist?
Mein Verein ist ja mit dem SV Eintracht Frankenhain der Ausrichter der Sommerbiathlon-WM. Der Verein ist im Vorfeld auf mich zugekommen und hat angefragt, ob ich hier starten wöllte. Ich hab mich natürlich über die Chance gefreut, musste das aber noch mit meinem Trainer Mark Kirchner abstimmen. Der hatte aber auch nichts dagegen einzuwenden, von daher hat das dann geklappt.

Erik LesserAuf den Winter bezogen bist Du allerdings gar kein Junior mehr, oder?
Nein, das stimmt. Da war im letzten Jahr meine letzte Junioren-Saison. Ich verstehe das System eh nicht ganz. Gleich als Frankenhain angefragt hatte, hab ich mich gewundert, warum ich denn bei den Junioren starten sollte. Aber die haben wohl auf den Sommer bezogen einen anderen Stichtag als für den Winter. Daher sind noch einige gelaufen, die eigentlich keine Junioren mehr sind.

Du und Michael Rösch – ihr hattet im Wettkampf die gleichen Probleme mit den Regeln der IBU. Was genau war da passiert?
Es ging um den Helm. Ich weiß nicht, wie es bei Ebs war, aber mir wurde vor dem Start gesagt, ich solle den Helm zumachen. Bisher sind wir Deutschen ja nie mit Helm gelaufen, daher war das alles ungewohnt. Ich hab den dann auch zugemacht und hatte dann aber Probleme, weil er zu eng saß und mir die Luft abgeschnürt hat. Also öffnete ich den Verschluss im Rennen irgendwann wieder. Das gab dann ein wenig Ärger nach dem Zieleinlauf, weil die IBU-Kampfrichter meinten, ich hätte absichtlich die Vorschriften missachtet. Nach ein wenig Diskussion und Erklärung meinerseits blieb es zum Glück bei einer Verwarnung und kam nicht zur Disqualifikation. (Anmerk. d. Red.: Die wäre auch ungültig gewesen. Im IBU-Regelwerk steht nur: "Helmets shall be worn during all types of training and competition" – vom Schließen des Verschlusses steht in den Regeln nichts) 

Um von den Sommerwettkämpfen auf den Winter zu kommen: Haben Dir diese Rennen zusätzlich Motivation gegeben in Hinblick auf den kommenden Winter?

Natürlich ist es schön, zweimal Gold gewonnen zu haben. Aber ich denke – wie so viele andere – das hier die Vergleichswerte fehlten. Ein paar der Junioren habe ich durch die Wintererfahrung als stark eingeschätzt, aber viele haben mir auch nichts gesagt. Von daher denke ich, dass im Winter wieder neu abgerechnet wird. Auf jeden Fall ist es natürlich ein kleiner Anschub für die kommenden Trainingswochen, aber man darf nicht zu viel hineininterpretieren.

Erik Lesser auf dem Podium in Canmore Was wäre denn Dein Ziel für den Winter?
Da ich ein bekannter Tiefstapler bin: B-Kader und ein möglichst durchgängiger Einsatz im IBU-Cup. Alles andere wäre nur Zugabe.

Und wenn Du nicht tiefstapeln würdest?
Dann würde ich sicher sagen: EM-Teilnahme und Medaille und Weltcup-Einsatz. Aber das ist wirklich ein so langer Weg bis dahin und ich bin noch so jung. Die Zeit habe ich, das alles zu erreichen…

Ein sportliches Vorbild in Deiner Familie dürfte ja sicher Dein Großvater Axel Lesser sein.
Das stimmt. Ich wäre wirklich froh, irgendwann das zu erreichen, was er geschafft hat. Er war als Langläufer bei drei Olympischen Spielen dabei und hat zudem WM-Silber errungen. Wir sprechen zwar in der Familie nicht so viel darüber, aber irgendwann diese Bilanz vorweisen zu können, wäre sicher nicht schlecht.

Du hast im schon Sommer etliche Rennen bestritten, was haben die Dir gelehrt?
Die DM bin ich ja gewohnt und da bin ich leider meiner Form hinterhergerannt. Das ist abgehakt, auch wenn ich da sicher Ansätze für das weitere Training bekommen habe. Wichtiger hingegen waren die Erfahrungen in Lorsch, Püttlingen oder eben in Oberhof zur WM. Dabei geht es mir vor allem um einen Start vor so viel Publikum. Das ist ein ganz anderer Druck und eine andere Erwartungshaltung, die man da automatisch hat. Ich denke, gerade solche Erfahrungen haben mich weitergebracht. Mir war wichtig, mich nicht nur dem Publikum, sondern auch bei Frank Ullrich bestmöglich zu präsentieren. Und vielleicht hat es ja geklappt…das wird sich alles noch zeigen.

Dann viel Erfolg weiterhin und danke für Deine Zeit!

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