Beck und Henkel in Obertilliach

Trainingslager-Special: Andrea Henkel und Martina Beck im Interview

Martina Beck und Andrea Henkel Während des Biathlon-Weltcup-Zyklus interessieren im Endeffekt immer wieder die gleichen Fragen: Nach der Form, dem Gefühl, den Zielen, dem Ergebnis. In Obertilliach sollte es uns jedoch einmal nicht um die typischen Wettkampf- oder Saison-Vorbereitungs-Fragen gehen, sondern wir wollten die Biathleten querbeet nach Sachen fragen, die mit der Vorbereitung und der Leistung überhaupt nichts zu tun haben. Den Anfang bei der „Fragestunde" machte das Zimmer Henkel-Beck, die auch beim Interview bewiesen, dass sie sich bestens ergänzen.

Teil 1 des Interviews

Selbst hier in Obertilliach werdet ihr um Autogrammkarten gebeten. Um den Spieß herumzudrehen: Habt ihr eigentlich Autogramme von anderen Persönlichkeiten?
Martina Beck: Also, ich habe viele Autogrammkarten von anderen Prominenten. Ich habe die eine zeitlang richtig intensiv gesammelt und da haben mir die anderen auch geholfen, dass ich dann möglichst viele hatte.
Andrea Henkel: Also, ich hatte auch einige, aber die habe ich dann alle der Martina gegeben.

Und Du sammelst demnach querbeet?
MB: Ja, eigentlich schon. Ob andere Sportler, Models, Sänger – da ist echt viel dabei. Ich hab sogar eins von Michael Johnson. Ich glaub, das war das schlimmste bisher, weil ich da voll aufgeregt war, als ich das geholt habe.

Was wolltet ihr früher werden?
MB: Hebamme!
AH: Oje, ich wollt eigentlich vieles werden. Irgendwann sogar mal Kellnerin, weil man sich dann so viel bewegen kann. Aber ich hatte mir nie ernsthafte Gedanken drüber gemacht. Ich habe immer im Hier und Jetzt gelebt und nie so weit gedacht.

Würdest Du das „Hier und Jetzt" als Lebensmotto bezeichnen oder gibt es da eins, dass Euch definiert?
AH: Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.
MB: Ich denke, egal wie schlimm es ist, es könnt immer noch schlimmer kommen. Von dem her bin ich da meist ganz optimistisch.

Andrea HenkelWas zeichnet Martina als Mitbewohnerin aus?
AH: Erstmal passt es einfach. Auf dem Zimmer ist es harmonisch und wir ergänzen uns gegenseitig. Jeder bringt irgendwie das mit, was der andere nicht mitbringt. (Pause) Wobei, wir können ja nicht alles verraten. (lacht) Nein, es ist halt einfach so, dass man weiß, ich komme nach dem Wettkampf in mein Zimmer und kann einfach ich selbst sein.

Und was zeichnet Andrea aus?
MB: Für mich ist Harmonie im Leben sehr sehr wichtig und das passt schon. Es ist wichtig, dass man sich wohlfühlt, wenn man sieben, acht Monate mit dem selben Menschen auf dem Zimmer ist. Es ist auch so, dass die Eine auf die Andere schaut. Wenn wir jetzt zum Training gehen, frag ich sie ganz oft: „Hast Du zu trinken dabei?" …

Einwurf von Andrea: Und ich sag ihr an, wie viele Minuten sie noch Zeit hat.

MB: Ja, wir passen da ganz gut aufeinander auf. Wenn sie z.B. einkaufen geht, dann kauft sie auch immer etwas für mich mit, obwohl ich es nicht verlange. Es ist ein gutes Ergänzen.

AH: Wir wissen halt, was der andere braucht, macht, will…

MB: Und wir können über alles reden!

Auch Höhen und Tiefen?
MB: Das auf alle Fälle, wir bauen uns gegenseitig auf, motivieren uns… Es ist ja bisher oft so gewesen, dass die Eine gerade eine Höhe hatte, während es der Anderen nicht gut ging. Aber so konnten wir dennoch ins Zimmer kommen und uns für die Andere freuen.

Martina, wo siehst Du Andrea mit 80 Jahren?
MB: (lacht) Ich glaub, die Andrea ist so eine kleine Karrierefrau. Ich denk, das ist das Interessante an uns beiden, wir sind eigentlich total verschieden, denn ich bin z.B. auch gar keine Karrierefrau. Aber wo ich sie mit 80 sehe? Das ist schwer…Ich denke, sie wird auf alle Fälle mit dem zufrieden sein, was sie erreicht hat und dass sie sich das auch ganz gut überlegt hat. Ich denke aber vor allem, dass sie jemand ist, der viel reisen wird und nicht so sehr sesshaft wird. Sie wird sicher nie sagen: Das wird meine Heimat für die nächsten 30 Jahre. Ich denke eher, dass sie mal da und mal dort lebt.

Martina Beck Trotz Karriere: Enkelkinder wird sie mit 80 haben, oder?
MB: Das denke ich schon, ja.

Wo siehst Du Dich, Andrea?
AH: Also sie hat schon Recht, sicherlich in einer Familie. Aber ich bin nicht so die Hausfrau, ich bräuchte dann schon etwas anderes, das ich nebenher noch tun könnte.

Und wo wird Martina mit 80 sein?
AH: Martina ist der klassische Familientyp, mit vielen Kindern und Enkeln. Und sie wird sich ein Häuschen gebaut haben mit ihrem Mann, den sie nun endlich hat.

MB: …ein Haus mit tausenden Viechern (lacht)

AH: Aber irgendetwas wird sie nebenbei schon noch machen, reine Hausfrau wird sie auch nicht werden.

Was würdest Du noch nebenbei machen?
MB: Ah, wie die Andrea schon gesagt hat, ich bin ein großer Familienmensch. Daher hoffe ich, dass das ewige Hin- und Hergereise vorbei ist. Ich wäre schon lieber an einem Fleck. Aber ich könnte nicht nur zu Hause hocken. Was dann allerdings genau, das muss ich zum Glück jetzt noch nicht wissen…

Im später erscheinenden zweiten Teil des Interviews geht es um Fanpost, Unterschriften, Vorbilder, Olympische Spiele, Beschäftigung an verregneten Tagen und, und, und….

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