Der Mix machts – Evolution einer Disziplin

Der Vorstand der Internationalen Biathlon-Union wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als er vor einigen Jahren die Mixed-Staffel in den Weltcup-Plan eingliederte. Doch viele Sportler und Offizielle standen der neuen Disziplin zu Beginn skeptisch gegenüber, schließlich hieß das zusätzliche Belastung im ohnehin stressigen Wettkampfkalender. Wurde der gemischten Staffel bei der Biathlon-WM 2007 in Antholz schon eine größere Bedeutung zugemessen, indem sie erstmals in das Programm der Weltmeisterschaften aufgenommen wurde, so blühte sie in diesem Jahr noch einmal zusätzlich auf.

ÖstersundDeutschland holt erstmals WM-Gold in der neuen Disziplin
Zur Weltmeisterschaft in Östersund zeigten sich wieder die unterschiedlichen Herangehensweisen der einzelnen Nationen. Das stets zu den Favoriten zählende Norwegen schickte ohne große Erklärungen eine B-Mannschaft ins Feld – der achte Rang sprach Bände. Die deutsche Mannschaft hingegen lief in einer starken Besetzung zu Gold und bewies, dass "die Staffel nicht zweitrangig ist, nur weil sie nicht zum olympischen Programm gehört!", so Bundestrainer Uwe Müssiggang.

Erstmals zwei Mixed-Staffeln in einer Saison
Während der Vorsprung der siegreichen Staffel in Östersund mit über 50 Sekunden relativ groß und der Wettkampf somit nicht bis zuletzt spannend war, zeigte sich ein paar Tage später in Korea das ganze Potential des Wettbewerbs. Erstmals gab es in einer Saison ein zweites Mixed-Staffel-Rennen – und das hatte es in sich, denn die Spannung hielt bis zur Zielgeraden.

Mixed-Staffel in KoreaÜberraschung an der Spitze
Wer jedoch einzig und allein dem deutschen Team die Daumen hielt, musste relativ schnell seine Erwartungen zurückschrauben, denn beim ersten Wechsel lag das Quartett bereits im hinteren Teil des Feldes. Doch vorn zeigte sich das, was den Skizweikampf ausmacht: Die Unberechenbarkeit. Wer hätte mit einer Mannschaft wie Italien an vorderster Front gerechnet? Wohl keiner. Doch die Azzurri zeigten, was in ihnen steckte und hielten sich bis kurz vor dem Ziel an der Spitze – erst dann mussten sie die Norweger vorbei ziehen lassen.

ReporterkabineWer ist das nur?
Die Italiener, sowie Frankreichs drittplatzierte B-Staffel brachten vor allem eine Sorte von Menschen in Bedrängnis: Die Fernsehkommentatoren. Das ganze Jahr über musste man höchstens sein Wissen über die Italienerin Michela Ponza oder den Franzosen Simon Fourcade herauskramen, doch was sollte nun plötzlich über die übrigen Teammitglieder gesagt werden? So hatte man seine liebe Müh und Not mit der Zuordnung der richtigen Namen und vor allem der Kommentierung der Fernsehbilder, denn die zeigten Trainer und Sportler, zu denen man selten vergleichbaren Fakten und Hintergrundinfos kannte, wie bei den so oft im Bild zu sehenden Deutschen, Norwegern oder Russen. Während solch ein Wettkampfverlauf zwar den Kommentatoren Schwierigkeiten bereitet, so ist es für den Sport enorm wichtig, dass nicht immer die gleichen Mannschaften ganz vorn zu sehen sind.

Schweden 2007Chance für kleinere Biathlon-Nationen
Ein Ziel der IBU ist es, den Sport auch in Ländern attraktiver zu machen, in denen er noch ein Schattendasein fristet und die Mixed-Staffel scheint allen Anschein nach eine gute Möglichkeit zu sein, diese Attraktivität zu vermitteln. Angedeutet hat sich das bereits 2007, als die Mixed-Staffel-Weltmeister aus Schweden daheim wie Helden gefeiert wurden. Und so kann man nur hoffen, dass die Mixed-Staffel in den kommenden Jahren erneut einen ähnlichen – wenn nicht sogar größeren – Stellenwert wie in diesem Winter einnimmt. Denn Spannung verspricht sie allemal – vor allem für die Nerven der Kommentatoren.

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