Alexander Tichonov

(JWM 2008) Alexander Tichonov – RUS

Alexander TichonovDie Person von Alexander Tichonov ist in der Biathlon-Welt umstritten. Als Athlet war er einer der besten aller Zeiten, als Präsident der Russischen Biathlon-Union gerät er immer wieder ins Kreuzfeuer der Medien. Das kann dem Russen, der am 2. Januar seinen 61. Geburtstag feierte, jedoch nichts anhaben. Vielerorts wird er von ehemaligen Weggefährten freudig begrüßt, so auch während der Jugend- und Juniorenweltmeisterschaft in Ruhpolding. Auch wir hatten die Möglichkeit, mit ihm zu reden – für ein kleines Interview am Rande der Wettkämpfe.

Herr Tichonov, wie schätzen Sie die Junioren-Wettkämpfe hier in Ruhpolding ein?
Ruhpolding war schon immer auf der höchsten Stufe, was die Durchführung von Wettkämpfen anbelangt. Das was wir hier sehen, ist natürlich eine Junioren-WM auf höchstem Niveau und mit dem Rekordteilnehmerfeld von 35 Nationen. In einigen Jahren wird es noch mehr starken Athleten im Weltcupbereich geben, denn was man hier bereits merkt, ist die große Stabilität der Norweger,  Franzosen, Deutschen und natürlich Russen.

In Bezug auf Russland: Wie sieht die Zukunft für den Biathlon-Sport in Ihrer Heimat aus? Wie viel Potential sehen Sie da noch?
Wir haben erst für eine Biathlon-Anlage in Ufa die A-Lizenz bekommen und können daher bald dort Wettkämpfe des höchsten Niveaus durchführen. Weiterhin bauen wir gerade ein Stadion in Krasnojarsk aus, insgesamt sollen fünf weitere Anlagen gebaut werden. Zudem haben wir 15 Biathlon-Schulen in Russland, das ist die höchste Anzahl weltweit gesehen. In denen arbeiten wir auch schon mit höchstem Niveau. Kati Wilhelm und Ricco Groß waren auch bei einem Wettkampf in Novosibirsk mit vor Ort und haben damals in den Medien gesagt, dass sie so etwas noch nie erlebt haben. Das zeigt, wie hoch unser Niveau ist.

Alexander Tichonov In den Medien kursiert immer wieder das Bild des „bösen" RBU-Chefs. Tangiert Sie das?
(lacht) Überhaupt nicht! Russland ist ein spezifisches Land und da funktionieren die Dinge nun einmal anders. Man hat mich in der ganzen Welt gern und natürlich gibt es immer wieder mal Leute, die mich nicht mögen. Nicht alle können verstehen, was bei uns passiert. Aber es muss einfach Ordnung sein!

Besteht denn die Ordnung insofern, als dass die Mannschaft und Sie wieder einen gemeinsamen Weg gehen?
Absolut! Leiten muss eine Person, das können nicht mehrere. Und die Athleten haben das eingesehen.

Werden Sie an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi mitwirken?
Ja, ich bin zuständig für Biathlon. Vor Ort muss alles so organisiert und aufgebaut sein, damit es den Ansprüchen der Biathlon-Union gerecht wird. Und dafür bin ich der Ansprechpartner bzw. Fachmann. Sotschi ist ein einmaliger Platz und wir glauben, zu den Spielen wird alles top sein. Es wird nicht so eine schlimme Situation geben, wie damals in Turin. Maximal zwanzig Minuten liegen die Wettkampforte in Sotschi auseinander, es ist alles kompakt. Die gesamten Ski-und Bobwettbewerbe kann man sogar zu Fuß erlaufen. Das war uns allen wichtig.

Alexander Tichonov Inwiefern ist Sotschi einmalig?
Die Lage. Das gibt es so kein zweites Mal! Auf dem Wettkampfgebiet der Olympischen Spiele liegen derzeit fünf Meter Schnee! Und vierzig Minuten weiter unten in Sotschi sind 16°C. Da muss man nur Norbert Baier fragen, unseren Technischen Delegierten. Das Komitee hatte in Sotschi Sitzung. Früh haben sie gearbeitet und sich das Wettkampfgebiet angeschaut. Gleichzeitig konnten sie außerhalb der Arbeitszeit auf einer Yacht baden! Das hat man nirgendwo. Sotschi wird ein ganz großes Erlebnis!

Apropos Erlebnis, hat sich der Sport in Bezug auf den Show-Effekt seit Ihrer aktiven Zeit verändert?
Nein, Biathlon bleibt Biathlon! Die restlichen Sportarten der Welt kann man nicht mit diesem Sport vergleichen. Wir haben selbst auf sportlicher Ebene noch großes Potenzial, alles auszubauen. Gerade im Sommerbiathlon gibt es noch viele Möglichkeiten. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Sport eine große Zukunft hat. Obwohl ich traurig bin, dass es in Deutschland scheinbar nicht so angenommen wird – Und das verstehe ich nicht, man muss doch immer bedenken, dass die Schneebedingungen in Zukunft vielleicht nicht so stabil sind. Daher liegt in diesem Sommersport großes Potential.  

Vladimir Barnachov, Alexander Tichonov und Eberhard Rösch Wenn Sie diese großangelegten Wettkämpfe der letzten Zeit sehen, würden Sie da gern noch einmal starten?
Ja klar, mit großem Vergnügen! Schon während des diesjährigen Weltcups in Khanty-Mansiysk werde ich wieder mit meinen alten Kameraden an den Start gehen, darauf freue ich mich schon. Wir werden eine Staffel bilden wie damals 1980 in Lake Placid: Vladimir Alikin, Ich, Vladimir Barnachov und Anatoli Aljabjev. Am 8. März treten wir bei einer Art Show-Wettkampf gegen andere gemischte Staffeln mit den besten nicht mehr aktiven Sportlern an.

Wenn Sie mit drei Biathleten Ihrer Wahl eine Staffel bilden könnten – wen würden Sie wählen?
Frank Ullrich! (langes Nachdenk
en)
Michael Greis und Ole Einar Bjoerndalen!! (überlegt wieder) Nein, doch lieber Ricco Groß statt Michael Greis!!

Warum gerade diese drei?
Weil ich sie als Biathleten relativ gut kenne, ihre Fähigkeiten gut einschätzen kann und sie nun einmal mit die Besten sind!

Vielleicht klappt es ja irgendwann mal mit einem gemeinsamen Start…
Wir danken Ihnen auf jeden Fall für das Interview!

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