Nathalie Santer

(Sommer 2007) Nathalie Santer-Bjoerndalen

Nathalie SanterNathalie Santer-Bjoerndalen hat gerade einiges durchzustehen. Ihre letzte Saison liegt vor ihr und plötzlich kam ihrer Saisonvorbereitung vergangene Woche ein Reitunfall in die Quere. Während ihr Mann Ole Einar weiterhin umherreist und in den Biathlon-Stadien der Welt trainiert, muss sie nun vorerst pausieren. Wir haben die für Belgien startende Südtirolerin getroffen und mit ihr über ihren Partner, den gemeinsamen Sport und die Zukunftsplanung geredet.

 
Nathalie, von Ole hat man gehört, dass Du Dir die Rippen gebrochen hast. Wie ist es dazu gekommen?
Ich bin beim Springen vom Pferd gestürzt. Das Pferd ist stehen geblieben und ich bin drüber gefallen. Unter mir war eine Stange und auf die bin ich genau drauf gefallen. Zwei Rippen sind betroffen, die eine ist gebrochen, die andere hat sich etwas verschoben.

Und dennoch läufst Du ohne große Schmerzen und auch ohne Verband herum?
Ja, man kann leider nichts anderes machen, außer Schmerzmittel nehmen. Die Ärzte sagen, wenn man eine Binde trägt, kann es passieren, dass man eine Lungenentzündung bekommt. Ich kann auch nicht richtig atmen. Ich merk schon, dass es beim Sprechen etwas langsamer geht und ich viel Luft holen muss.

Er sah etwas verloren aus im Stadion – ohne Dich. Und auch während der Weltcups gehst Du ihm viel zur Hand…
Stimmt, dadurch dass ich ja auch selbst aktiv bin, weiß ich bestimmte Sachen, die man erledigen muss und die stressig sind. Manchmal braucht man nach dem Wettkampf etwas mehr Entspannung. Den Fans kann ich damit auch eine Freude machen, wenn sie mal eine Autogrammkarte bekommen. Ole hat nach dem Rennen meist wenig Zeit, weil sehr viele Leute mit ihm reden wollen.

Nathalie SanterDerzeit startest Du für Belgien. Kann man Biathlon in Belgien überhaupt mit Biathlon in anderen Ländern vergleichen?
Ganz ehrlich, wenn ich nicht mit dem Ole zusammen wäre, dann wäre das nicht zustande gekommen. Denn die Belgier haben eigentlich nichts. Da arbeitet sicher jeder Skiclub in Deutschland besser. Aber das ist kein Wunder, sie haben kein Geld, keine großen Athleten und Schnee fällt auch selten.

Konntest Du ihnen durch Deinen Wechsel etwas helfen?
Ein bisschen kann ich ihnen sicherlich helfen, so haben sie zum Beispiel Material bekommen, das sie früher selbst hätten kaufen müssen. Etwas mehr Unterstützung haben sie schon bekommen, das denke ich schon. Aber ich meine, das reicht noch lange nicht aus.

Wie schaut es mit dem Nachwuchs in Belgien aus?
Wenn da wirklich Athleten wären, die sagen: ‚Ich will etwas werden, ich geh nach Deutschland oder Norwegen, studiere und trainiere dort parallel.' – dann würde ich denen auf alle Fälle helfen wollen. Aber es ist schwierig, solche Talente zu finden. Dieser Wille muss ja auch vom Sportler ausgehen. Doch derzeit kann mal wohl einfach nur den Versuch starten, zu zeigen: Schau her, das ist Biathlon. Das ist eine interessante Sportart.

Wie ist Dein Plan für diese Saison?
Mein Plan war eigentlich, heuer noch ein paar Wettkämpfe zu machen. Die WM in Östersund vor allem und auch ein paar Weltcups. Aber auf keinen Fall mehr alle Wettkämpfe, das war von vornherein schon klar. Gerade gesundheitlich gesehen möchte ich das so machen. Ich erkälte mich sehr leicht und andauernd diese Belastung, das möchte ich nicht.

Warum gerade jetzt?
Ich will mich einfach etwas mehr schonen und Schritt für Schritt abbauen. Das wird auf alle Fälle meine letzte Saison. Aber nun kommt dieser Unfall dazwischen, da muss ich erstmal schauen, wie viel ich hier verliere. Ich hoffe nicht, dass die Ärzte Recht behalten und es 60 Tage dauert. Wobei ich denke, dass sich Sportler da eh etwas schneller erholen. Wenn ich sehe, ich kann noch mitlaufen, dann möchte ich diese Saison auf alle Fälle noch angehen. Wenn es neben dem Schießen dann auch im Laufen nicht mehr klappt, na dann nützt das gar nichts.

Nathalie SanterDa kann man nur hoffen, dass es mit dem Lauftraining bald wieder klappt, denn im Schießen scheinst Du einige Schwierigkeiten zu haben.
Stimmt, ich habe vor allem Stehend einige Probleme. Und dann auch meist bei der letzten Serie. Es ist ganz einfach so, dass ich den Druck auf mich selbst mache und unbedingt einen Nuller schießen will. Letztes Jahr beim Biathlon-Weltcup in Östersund habe ich mal gut geschossen und dann denkt der Kopf automatisch beim nächsten Schießen zu viel. Das ist das große Handicap – den Druck, den ich mir selbst mach. Denn von außen krieg ich in den letzten Jahren keinen Druck mehr. Ich muss auch zugeben, dass ich heuer viel weniger geschossen habe und es mir dennoch viel besser geht, da ich jetzt viel lockerer an die ganze Sache heran gehe.

Kann man das trainieren?

Trainieren kann man das, aber dann komme ich im Winter einmal in eine Situation und dann schalte ich so schnell auf das alte Verhalten wieder um, da kann man fast nichts dagegen machen. Man muss sich das wie ein negatives Training vorstellen, das Dich in ein Loch wirft. Da brauch man viele positive Trainings, um da wieder raus zu kommen. Wenn Du also einmal ein schlechtes Resultat hast, gehst Du oft mit einem schlechten Gefühl an den Start.

Von wegen schlechtes Gefühl. Es gibt die Redensart, dass man sofort auf das Pferd wieder drauf steigen sollte, wenn man heruntergefallen ist. Ist Dir das gelungen?
Eigentlich wollte ich gleich wieder drauf, aber das ging dieses Mal nicht so gut, weil es doch ziemlich geschmerzt hat. Dabei waren wir so gut unterwegs, ich habe einige Springturniere mitgemacht und war ziemlich gut.

Du bist sogar Turniere geritten?
Ja, das ist eine große Leidenschaft von mir. So habe ich auch ein anderes Ziel neben
dem Biathlon. Ich hatte früher schon ein Pferd, das wegen Krebs am Auge gestorben ist. Damals habe ich noch mehr Langlauf gemacht angefangen, mehr Langlauf zu machen, bin in die Mannschaft gekommen und hatte 16 Jahren keine Pferde um mich. Aber ich habe sie immer geliebt und habe mich eigentlich von ihnen ferngehalten, weil ich wusste, dass ich ihnen nicht zu nah kommen kann, ohne dass es mich wieder packt.

Wo ist Dein Pferd untergebracht?
Giovanni ist in Bruneck untergebracht. Das ist zwar etwas weiter von uns weg, aber ich wollte einen guten Stall für ihn und ich brauchte ja auch jemanden, der mir wieder Unterricht gibt.

Überhaupt scheinst Du viel umher zu fahren, vor allem mit Ole Einar…
Ja, dieses Jahr allerdings reise ich etwas weniger mit ihm herum. Das ist auch wieder darauf zurückzuführen, dass ich nicht allzu abrupt aus dem ganzen Training aussteigen will. Es wird schwierig: Ich daheim, er ist weg. Das wird schon eine Umstellung, denn ich bin es schon gewöhnt, immer herum zu reisen. Das hat man einfach im Gefühl drin, das Reisen. Daher denke ich, es ist für jeden von uns schwierig, wenn man einmal aufhört.

Ganz anderes Thema: Wie habt ihr Euch überhaupt kennen gelernt?
Ich bin ihm schon viel früher aufgefallen, als er mir. Damals war ich eben doch öfters auf dem Podest und ich habe Männer zu der Zeit eigentlich gar nicht angeschaut und mich nur auf das Training konzentriert.

Nathalie Santer und Ole Einar in Altenberg Und dennoch scheint Ihr Euch gefunden zu haben. Wie kam das?
Eigentlich kam es alles durch unseren damaligen Arzt und den Masseur. Die beiden haben die ganze Zeit für mich jemanden ‚gesucht'. Es war zwar mehr als Spaß gemeint, aber irgendwann haben sie den Ole doch angesprochen. Wenn ich an die Kupplungsversuche damals denke (lacht). Mir wurde in Novosibirsk gesagt, er will mit mir tanzen, ihm wurde gesagt, ich möchte mit ihm tanzen. Dort haben wir das erste Mal dann auch zusammen getanzt und das erste Mal richtig Blickkontakt gehabt.

Konntet Ihr Euch überhaupt verständigen?
Das Gespräch damals war tatsächlich etwas schwierig. Er konnte nicht so gut Deutsch, Englisch waren wir beide so la la. Es war eigentlich mehr ein Gespräch mit Händen und Füßen. Danach hatten wir erstmal keinen Kontakt mehr, da das Saisonabschluss war. Erst bei der Sommerbiathlon-WM haben wir uns wieder getroffen. Da konnte er dann plötzlich auch sehr viel besser Deutsch und so konnten wir uns etwas mehr unterhalten. Dann haben wir Telefonnummern ausgetauscht und so fing schließlich alles an.

Und es geht bis heute…wie schaut es nach der Hochzeit nun mit der weiteren Familienplanung aus?
Wir wollen wirklich beide ein Kind, aber der Zeitpunkt muss für uns beide richtig sein. Momentan fühlen wir das vielleicht beide noch nicht so sehr, obwohl wir schon viel darüber sprechen. Aber das kommt dann, wenn es passt. Es ist ja nicht so, dass man heiratet und dann muss sofort ein Kind her.

Wann könnte denn der Zeitpunkt passen?
Er läuft ja noch, er läuft ja auch noch länger. Und ich muss mich erstmal mit der neuen Situation abfinden, dass ich dann öfters daheim bin. Also gehen wir das ganz langsam Schritt für Schritt an, auch wenn meine Eltern schon immer wieder davon reden. Ich bin zwar auch nicht mehr die Jüngste, aber so sehr unter Druck stehen wir ja doch nicht.

Das ist wohl wahr. Ich wünsche Dir auf jeden Fall gute Besserung und viel Erfolg für das nächste Jahr. Vielen Dank für Deine Zeit!
Gern geschehen. Vielen Dank.

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